Antiker Skeptizismus

Seminarbeschreibung | Modulzuordnung | Literaturempfehlungen | Anmeldung |Seminarplan

Seminarbeschreibung

Eine weithin anerkannte These der modernen Philosophiegeschichte lautet, dass die tiefgründige Infragestellung von Gewissheiten ein Kennzeichen der neuzeitlichen Philosophie seit Descartes sei. Vor allem das idealistische Denken der klassischen Antike wird zuweilen als weniger kritisch beschrieben, da in ihm geradezu naiv die Einheit von Denken und Sein behauptet werde. Das Credo von Platon, Aristoteles etc. scheint: Wie wir die Welt mit wissenschaftlichen Begriffen bestimmen, so ist sie wirklich.
Im Interpretationskurs soll abweichend von dieser These davon ausgegangen werden, dass in den antiken Texten durchaus erkenntniskritische Fragen gestellt werden. Das heißt, dass die von den antiken Idealisten entwickelten Konzeptionen philosophisch-wissenschaftlicher Erkenntnis bereits Reaktionen auf die Argumente antiker Skeptiker sind: Platon und Aristoteles suchen nach Antworten auf die eleatische Skepsis hinsichtlich der Erkenntnis von Veränderungen; Plotin stellt sich der umfassenden pyrrhonischen Erkenntnisskepsis u.s.w. In einer Umkehrung der obigen These könnte man daher auch sagen, dass die neuzeitliche Erkenntniskritik „lediglich“ eine – wenn gleich prägnantere – (Re-)Formulierung dieser skeptischen Fragen darstellt.
Zusammen wollen daher ausgewählte Texte des antiken Skeptizismus erarbeiten. Es sollen vor allem die inhaltliche Stoßrichtung der skeptischen Argumente verstanden und deren Argumentationsschritte detailliert rekonstruiert werden. Wir erschließen uns somit sukzessive das kritisch-skeptische Denken der Antike. Im Fokus stehen dabei Zenons Paradoxien und der „Grundriss der pyrrhonischen Skepsis“ von Sextus Empiricus. Als eine Herausforderung erweist sich, dass die Texte teilweise nur als Fragmente vorliegen. Für eine erfolgreiche Interpretation müssen deshalb einschlägige Sekundärtexte herangezogen werden.

Modulzuordnung und Leistungsanforderungen

  • Der Interpretationskurs I (Neue Studienordnung) ist Ersatz für Überblick MA/Antike
    (Modelversuch, Module 3 und 10). Ein Interpretationskurs zu einem Thema der
    theoretischen Philosophie (Neue Studienordnung, egal ob I oder II) ist Ersatz für den
    alten Interpretationskurs I (Modelversuch, Module 1 und 8).
  • Der Interpretationskurs II (Neue Studienordnung) ist Ersatz für Überblick Neuzeit
    (Modelversuch). Ein Interpretationskurs zu einem Thema der praktischen Philosophie
    (egal ob I oder II) ist Ersatz für den alten Interpretationskurs II.

Literaturempfehlungen

  1. H. Diels: Die Fragmente der Vorsokratiker, Berlin 1924
  2. Sextus Empiricus: Grundriß der pyrrhonischen Skepsis, Frankfurt am Main 1968 (4. Auflage
  3. R. Ferber: Zenons Paradoxien der Bewegung und die Struktur von Raum und Zeit, Stuttgart
    1981
  4. A. Musgrave: Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus – Eine historische Einführung in
    die Erkenntnistheorie, Tübingen (UTB) 1993
  5. F. Ricken: Antike Skeptiker, München 1994
  6. A. A. Long / M. Albrecht: Skepsis, Skeptizismus, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie
    Bd. 9, Basel 1995
  7. N. Huggett: Zenos’ Paradoxes, in: The Stanford Encyclopedia of Philosophy, Winter 2010
    Edition (Hrsg.: Zalta, Edward N.), 2010
  8. K. Vogt: Ancient Skepticism, The Stanford Encyclopedia of Philosophy, Winter 2011 Edition
    (Hrsg.: Zalta, Edward N.), 2011

Anmeldung

Um am Seminar teilzunehmen, melden Sie sich bitte im EWS-Kurs an. Eine Einschreibung wird dringend empfohlen.

Seminarplan

Termin: Wöchentliche Veranstaltung, mittwochs, EF 50 / 2.324.

  • Einführung in das Interpretieren:
    • 10.10.2012 Vorbesprechung
    • 17.10.2012 Propädeutikum: Wie interpretiert man antike und mittelalterliche Texte?
      • Kruse, Otto (2010) Lesen und Schreiben. Konstanz: UVK (UTB) 12–52.
      • Stary, Joachim (2011) Wissenschaftliche Literatur lesen und verstehen. In Franck, Nobert/Stary, Joachim (Hrsg.) Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. 16. Auflage. Paderborn: Schöningh (UTB).
  • Einführung in den antiken Skeptizismus
    • 24.10.2012 Topologie und Methodologie:
      • A.A. Long: Antiker Skeptizismus. In: Ritter, J./Gründer, K. (Hrsg.) (1971 ff.) Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel: Schwabe Bd. 9, 938–950,
      • Mojisch, Burkhard (2006) Reflexionen zur Methodologie bei Platon, Aristoteles und Sextus Empiricus. In Ackeren, Marcel von/Müller, Jörn (Hrsg.) Antike Philosophie verstehen / Understanding Ancient Philosophy. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
    • 31.10.2012 (Fortsetzung)
      • Vogt, Katja (2011) Ancient Skepticism. In Zalta, Edward N. (Hrsg.) The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Winter 2011 Auflage.
  • Zenons Paradoxien
    • 07.11.2012 Einführung und Überblick:
      • Huggett, Nick (2010) Zenoś Paradoxes. In Zalta, Edward N. (Hrsg.) The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Winter 2010 Auflage.
      • Ferber, R. (1981) Zenons Paradoxien der Bewegung und die Struktur von Raum und Zeit. Stuttgart.
      • Diels, Hermann (1924) Die Fragmente der Vorsokratiker. Berlin: Weidmann Bd. 1, 247–258.
      • Platon (1972) Parmenides. Übersetzt und herausgegeben von Hans Günter Zekl. Griechisch-deutsch. Hamburg: Meiner Auszüge.
    • 14.11.2012 Das Argument der endlichen Größe:
      • Huggett, Nick (2010) Zenoś Paradoxes. In Zalta, Edward N. (Hrsg.) The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Winter 2010 Auflage..
      • Simplicius: Kommentar zur aristotelischen Physik (bibliographischen Angaben folgen).
      • Aristoteles: Über das Entstehen und das Vergehen (bibliographische Angaben folgen).
    • 21.11.2012 Die Dichotomie der Ortsbewegung:
      • Huggett, Nick (2010) Zenoś Paradoxes. In Zalta, Edward N. (Hrsg.) The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Winter 2010 Auflage..
      • Aristoteles (1987) Physik Bücher I (Α) – IV (∆), (Altgriechisch-Deutsch). Übersetzung von Hans Günther Zekl. 1. Auflage. Hamburg: Meiner 239b.
    • 28.11.2012 Achill und die Schildkröte:
      • Huggett, Nick (2010) Zenoś Paradoxes. In Zalta, Edward N. (Hrsg.) The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Winter 2010 Auflage..
      • Simplicius: Kommentar zur aristotelischen Physik (bibliographischen Angaben folgen).
    • 05.12.2012 Der Pfeil:
      • Huggett, Nick (2010) Zenoś Paradoxes. In Zalta, Edward N. (Hrsg.) The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Winter 2010 Auflage..
      • Aristoteles (1987) Physik Bücher I (Α) – IV (∆), (Altgriechisch-Deutsch). Übersetzung von Hans Günther Zekl. 1. Auflage. Hamburg: Meiner 239b.
  • Die Erkenntniskritik des Sextus Empiricus
    • 12.12.2012 Einführung und Überblick:
      • Empiricus, Sextus (1968) Grundriß der pyrrhonischen Skepsis. Eingeleitet und übersetzt von Malte Hossenfelder. Frankfurt am Main: Suhrkamp (2002) Auszüge der Einleitung.
      • Vogt, Katja (2011) Ancient Skepticism. In Zalta, Edward N. (Hrsg.) The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Winter 2011 Auflage.
      • Gabriel, Markus (2009) Skeptizismus und Idealismus in der Antike. Suhrkamp Einleitung.
    • 19.12.2012 Definition des Skeptizismus:
      • Empiricus, Sextus (1968) Grundriß der pyrrhonischen Skepsis. Eingeleitet und übersetzt von Malte Hossenfelder. Frankfurt am Main: Suhrkamp (2002) 93–101.
    • 09.01.2012 Tropenlehre:
      • Empiricus, Sextus (1968) Grundriß der pyrrhonischen Skepsis. Eingeleitet und übersetzt von Malte Hossenfelder. Frankfurt am Main: Suhrkamp (2002) 101–135.
    • 16.01.2012 Skeptische Schlagworte:
      • Empiricus, Sextus (1968) Grundriß der pyrrhonischen Skepsis. Eingeleitet und übersetzt von Malte Hossenfelder. Frankfurt am Main: Suhrkamp (2002) 135–142.
    • 23.01.2012 Vergleich zu anderen Denkschulen:
      • Empiricus, Sextus (1968) Grundriß der pyrrhonischen Skepsis. Eingeleitet und übersetzt von Malte Hossenfelder. Frankfurt am Main: Suhrkamp (2002) 142–152.
  • Rückblick und Fazit (30.01.2012)